Im Zuge meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass viele Hundehalter verunsichert sind, was die tägliche Auslastung ihres Hundes betrifft. Liegt ein Hund faul herum wird ihm schnell unterstellt, dass ihm langweilig ist. Ein sehr aktiver Hund wird häufig als „unkaputtbar“ dargestellt. „Egal wie lange ich mit ihm unterwegs bin – er wird einfach nicht müde“, ist nur eine von vielen Aussagen, die mir fast täglich unterkommen, wenn es um die Beschäftigung unserer Vierbeiner geht. Von täglichen 30 Minuten Ausgang bis hin zu 6 Stunden war schon alles dabei.

Schlaf, Schlaf und nochmals Schlaf
Gleich einmal vorweg: Hunde sind Katzen gar nicht unähnlich, was ihr Schlafbedürfnis betrifft. 17-20 Stunden Schlaf brauchen sie durchschnittlich täglich (24 Stunden), um sich wohl zu fühlen. Es gibt natürlich individuelle Unterschiede, aktivere und passivere Hunde, wenn ein Hund unter Tags jedoch nicht zur Ruhe kommt, bei jedem Geräusch, jeder Bewegung aufspringt, ständig um Aufmerksamkeit bettelt etc., kurz gesagt, das Schlafpensum unter 16 Stunden liegt, läuten bei mir schnell die Alarmglocken. Dass es einem Hund schwer fällt sich zu entspannen, kann unterschiedliche Gründe haben, zB:

  • hormonelles Ungleichgewicht, physische Probleme (tierärztlicher Check!)
  • Überforderung / Unterforderung (zu viel / zu wenig Beschäftigung)
  • erlerntes Verhalten (hat zB zu viel Aufmerksamkeit erhalten für unruhiges Verhalten)
  • keine Rückzugsmöglichkeiten (eigener Platz, Box, eine ruhige Ecke …)
  • sehr turbulenter Haushalt (zB viel lautes Kindergeschrei, viel Besuch, hektischer Tagesablauf, andere Haustiere …)
  • die falsche Beschäftigung (viele Wuspiele, Zerrspiele …)

Anstatt einen gestressten, unruhi1398610_10201524491247007_1725733020_ogen Hund „auspowern“ zu wollen, sollte man ihm stattdessen beibringen sich zu entspannen, damit er in ausreichend Ruhephasen seine Batterien wieder aufladen kann (Voraussetzung dafür ist natürlich, dass er bereits ausreichend Beschäftigung erhält). Schlafmangel führt nämlich häufig zu unangemessenem Verhalten (bei Hund und Mensch). Man ist leichter reizbar, emotionaler, nervöser, kann sich nicht gut konzentrieren. Darum ist es bereits im Welpenalter wichtig gezielt Ruhephasen einzubauen, damit der Hund schon früh lernt, dass die Welt nicht nur aus Action besteht.

Beschäftigung – ja, klar – aber bitte richtig
Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig und erkläre ich gerne in einem anderen Beitrag. Bleiben wir hier erstmal bei der täglichen Zeitinvestition: 2-3 Stunden am Tag ist hierbei die goldene Regel, auch natürlich wieder mit individuellen Unterschieden. Ebenso wie Schlafmangel kann auch Langeweile zu unerwünschtem Verhalten führen. Ein Hund, der in der Früh für 20 Minuten nach draußen kommt, dann 10 Stunden alleine zuhause ist, weil seine Menschen Vollzeit berufstätig sind und diese am Abend auch mal gerade die Kraft aufbringen 20 Minuten, vielleicht sogar eine halbe Stunde spazieren zu gehen, wird nicht sehr glücklich und ausgeglichen sein. Und nein, ein Garten ist kein Ersatz für tägliche Spaziergänge und gemeinsame Erkundungstouren. Ja, was ihr Schlafbedürfnis betrifft, sind Hunde wie Katzen, aber ansonsten sind sie eben Hunde (!), das heißt sie sind sehr sozial, lieben gemeinsame Unternehmungen mit ihrer Familie, wollen gefördert und gefordert werden (körperlich und mental). Übringens mögen es auch Katzen, wenn man sich ein wenig mit ihnen beschäftigt – nur mal so am Rande 😉

Zusammenfassend kann man also allgemein sagen, dass Hunde mindestens 16 Stunden pro Tag schlafen, 2-3 Stunden beschäftigt werden möchten. Und was machen sie den Rest des Tages? Nun, die restliche Zeit verbringen sie mit Fressen, Körperpflege, Kuscheln, Beobachten (Hunde sind perfekte Beobachter und Imitatoren!) und einfach nur dabei sein. Was ich jedem Hundehalter nur empfehlen kann: Beobachtet euren Hund einmal eine Woche ganz genau und führt dabei Tagebuch. Wieviel schläft er/sie tatsächlich (nicht nur herumliegen, sondern wirklich schlafen)? Wieviel und wie wird er/sie täglich beschäftigt? Wie verbringt der Hund den Rest des Tages? Vieles entgeht uns einfach im Alltag und kommt erst bei genauerer Betrachtung ans Tageslicht. Sich bewusst mit dem Alltag seines Hundes zu beschäftigen hat schon so manches AHA-Erlebnis ausgelöst 🙂