Bei den momentanen Temperaturen ist es mir wichtig, dass Dewey sich zumindest einmal am Tag irgendwo abkühlen kann. Also heißt es für uns täglich: Ab ins Auto und ans Wasser. In Wien und Umgebung gibt es ja dafür zum Glück jede Menge Möglichkeiten. In der Regel ziehen wir dann schnell neugierige Blicke auf uns und nicht selten kommen Leute zu uns rüber und fragen: „Ist das wirklich eine Schwimmweste da an Ihrem Hund?“ oder „Ist das wirklich notwendig? Hunde können doch eh schwimmen!“ Die Reaktionen reichen oft von erstaunt über belustigt bis hin zu verurteilend.

Wie jeder JunghundIMG_2594 war Dewey während seines ersten Sommers naturgemäß skeptisch gegenüber Wasser, fand jedoch bald heraus, dass man darin wunderbar planschen kann. Ich als erklärte Wasserratte wäre natürlich gerne mit meinem Hund auch schwimmen gegangen, also habe ich begonnen ihm Wasser wirklich gut zu verkaufen. Es kamen zum Einsatz seine Lieblings-Spielsachen, besonders gute Leckerlis, soziale Unterstützung bis hin zu gemeinsamen kleinen Schwimmrunden. Und er war wirklich motiviert und bemüht, allerdings wurde mir schnell klar, dass er Vieles einfach nur mir zuliebe mitmachte. Wasser war und ist einfach nicht sein Element und er ist einfach nicht der begabteste Schwimmer. Punkt.

Wir haben oft eine gewisse Vorstellung im Kopf wie unser perfekter Hund sein sollte, wie er sich verhalten soll, welche Vorlieben er haben soll usw. Den perfekten Hund in diesem Sinne gibt es aber nicht, genauso wie es keinen perfekten Menschen gibt. Auch Hunde haben ihren ganz individuellen Charakter, individuelle Talente, bei Manchen ist auch physiologisch Vieles einfach nicht Möglich. Ich habe zum Beispiel Höhenangst. Wenn mich eine (wirklich gute!) Freundin bitten würde sie zum Klettern zu begleiten, würde ich das wahrscheinlich tun, trotzdem werde ich nicht zum Kletter-Fan werden. Genauso verhält es sich häufig bei unseren Hunden. Wenn wir eine gute Bindung zu ihnen aufgebaut haben nehmen sie Vieles, was wir von ihnen erwarten, in Kauf, weil sie uns gefallen möchten. Stresssignale werden dann häufig übersehen oder hingenommen.

Soweit wollte ich es nicht kommen lassen, daher habe ich vor ein paar Jahren die Trainings-Bremse gezogen und überlegt wie ich Dewey sonst noch unterstützen könnte, damit er sich entspannt (!) im kühlen Nass erfrischen kann. Also musste mal eine Schwimmweste her und sie war jeden Cent wert. Nach dem ersten vorsichtigen Schwimmversuch merkte ich eine deutliche Veränderung in seinem Verhalten. Er wurde um einiges selbsbstbewusster beim Hineingehen, hatte Spaß beim Apportieren seiner Spielsachen. Der Auftrieb der Schwimmhilfe gab ihm die Sicherheit, die er brauchte. Und das ist bis heute so. Wieso sollte ich ihm das verwehren, nur weil es vielleicht „merkwürdig aussieht“?

Also antworte ich auf verwunderte Fragen ganz überzeugt: „Ja, mein Hund trägt eine Schwimmweste.“ Manchmal muss man einfach über den Dingen stehen und die Kritik anderer ausblenden. Ich weiß, was für meinen Hund das Beste ist und nur das zählt. Also Leute, lasst euch nicht verunsichern von der Meinung anderer (auch wenn sie noch so gut gemeint ist) – ihr kennt euren besten Freund am besten und wisst, was ihm gut tut 😉 Und im Übrigen ist Dewey für mich dennoch perfekt. Dann gehe ich eben alleine schwimmen. Ich glaube, es gibt Schlimmeres …