Trainingsphilosophie

Bei einer Führerscheinprüfung gibt es immer einen theoretischen und einen praktischen Teil, wie wir wissen. Nur das Gas- und Bremspedal zu finden reicht nicht aus. Die wenigsten werden sich vermutlich dafür interessieren, was unter der Motorhaube passiert oder wie man ein Auto pflegt. Das ist meistens auch nicht erforderlich, bis etwas Unerwartetes passiert. Wenn plötzlich ein Lämpchen aufleuchtet ist es gut zu wissen, was das bedeutet und wie ich darauf reagieren sollte – und sei es nur den Ölstand zu prüfen.img_8870

So in etwa verhält es sich auch mit Hunden. Nur zu wissen wie ein Hund aussieht, wie man die Leine hält und dass er Futter und Wasser braucht, wird nicht ausreichen. Wir müssen die Bedürfnisse unserer Hunde und ihre Sprache kennen, wissen wie sie denken und lernen. Daher geht es im Training nicht nur ausschließlich um praktische Übungen, sondern auch um Verständnis. Training ist immer eine Kombination aus Praxis und Theorie.

Hunde sind Freunde und Familienmitglieder, die keinen strengen Rudelführer brauchen, sondern eine Vertrauensperson, auf die sie sich verlassen können. Daher läuft Hundetraining bei mir immer gewaltfrei ab.

Was bedeutet Gewaltfreiheit?

Viele denken bei dem Wort Gewalt in erster Linie an körperlich eindeutig unangenehme Methoden, wie Tritte oder Schläge. Gewalt bedeutet jedoch Alles, was dem Hund unangenehm ist – physisch und psychisch.

Einige Punkte, auf die ich im Training achte:

  • Der Hund trägt ein gut sitzendes Brustgeschirr. Sollte man Angst haben, den Hund damit nicht halten zu können kann er vorübergehend doppelt geführt werden (Geschirr & breites, weiches Halsband) bzw. gibt es Möglichkeiten das eigene Leinenhandling zu verbessern. Ketten und Würgehalsbänder sind absolut tabu – auch wenn sie nicht auf Zug eingestellt sind.
  • Wir sprechen mit dem Hund freundlich und ruhig. Schreien und körperliches Bedrängen sind nicht zielführend – im Gegenteil.
  • Durch positive Verstärker (Leckerlis, Spiel bzw. Alles was ihm gerade wichtig ist) wird der Hund motiviert erwünschtes Verhalten öfter zu zeigen. Dadurch macht ihm das Training Spaß und auch schwierigere Situationen wird er dadurch später besser meistern. Druck und Zwang gibt es bei mir nicht. Wenn ein Hund zB gerade nicht sitzen möchte, wird überlegt woran das liegen könnte? Ist der Boden vielleicht nass? Ist die Ablenkung gerade zu groß? Fühlt er sich nicht wohl?
  • Das Lernen der Hundesprache ist unerlässlich. Wenn ich meinen Hund nicht verstehe kann ich auch nicht passend auf ihn einwirken und sein Verhalten ändern.
  • Konsequenz hat nichts mit Strenge zu tun, sondern bedeutet liebevolles, gleichbleibendes Handeln im Alltag.
  • Die eigene Körpersprache hat enormen Einfluss auf den Hund. Hunde orientieren sich immer primär an unseren Körpersignalen. Daher unterstützt ein gutes Körperbewusstsein die Kommunikation.
  • Die Erfüllung aller Grundbedürfnisse ist eine wichtige Basis für entspanntes Verhalten (zB ausreichend Beschäftigung und Bewegung, Ruhephasen etc.).
  • Managementmaßnahmen und vorausschauendes Denken unterstützen das Training und erleichtern das Zusammenleben. Wenn ich zB sehe, dass mir auf dem Gehsteig ein anderer Hund entgegenkommt und ich selber einen Hund habe, der ein wenig mehr Abstand braucht, wechsle ich die Straßenseite. „Da muss er jetzt durch“ hat noch niemandem geholfen.
  • Der Hund muss schmerzfrei und gesund sein, um sich angemessen verhalten zu können. Wenn wir zB Rückenschmerzen haben sind wir auch nicht sehr gut gelaunt. Gesundheitliche Faktoren sollten nicht beiseite geschoben werden.
  • Wir konzentrieren uns auf die Stärken und Vorlieben deines Hundes und nicht auf seine Schwächen und Fehler. Positives Denken steht im Vordergrund.

Nun gibt es natürlich einen großen Unterschied zwischen Autos und Hunden – Hunde sind Lebewesen mit individuellen Charakterzügen, Vorlieben etc. Sie besitzen genauso wie wir Emotionen wie Angst, Wut, Frustration, Freude, Trauer usw. Daher werden auch die Trainingspläne immer individuell an den Hund und seinen Menschen angepasst.

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